*********************
Liebe Patientinnen und Patienten,
meine Kassenpraxis ist mit 30.9.2017 geschlossen.

Alles über meine Nachfolgerin ab Jänner 2018 und darüber
wie Sie mich von Oktober- Dezember erreichen können
und was ich als Wahlärztin für Sie tun kann,
habe ich hier für Sie aufgeschrieben:

http://www.zuckertante.at/triff-die-tante/kassenpraxis-rodaun

Es war eine schöne Zeit in Rodaun.

Danke für viele Erlebnisse, Begegnungen, Gespräche.

Ihre Susanne Pusarnig
*********************

 
Home Dr. Pusarnig Ein Interview...

Interview

2003 hat Diabetes-Austria ein Interview mit mir gemacht, in dem ich einiges von meinen Erfahrungen erzählen konnte, hier ist es zum Nachlesen und Besser-Kennen-Lernen:

Diabetes-Austria:

Frau Dr. Pusarnig, Sie haben hier vor kurzem eine praktische Ordination eröffnet. Sie kommen aber eigentlich aus dem diabetischen Bereich. Wie haben Sie begonnen?

Schon als junges Mädel interessierte ich mich für Medizin und habe bereits mit 17 Jahren als Malteser-Hilfsschwester auf der 3. Chirurgie in Graz gearbeitet. Gleich an meinem allerersten Arbeitstag war ich dabei als ein Patient mit einem Hypo bewusstlos zusammenbrach, was mich damals als völlig Unwissende fürchterlich erschreckt hat. Ich begann nachzulesen, weil ich einfach wissen wollte was da warum passiert war. Zu dem Zeitpunkt, 1975, war noch keine Rede von Blutzucker-Messgeräten.

Auch während meines Medizinstudiums habe ich immer wieder als Krankenschwester gearbeitet und einige Erfahrungen mit Diabetikern gemacht. Mein Turnus führte mich nach Lainz zu Professor Irsigler. Ich habe an dieser Abteilung unendlich geschätzt, dass mit Patienten offen über ihre Diagnose und die Behandlung gesprochen wurde – das war damals noch keineswegs überall üblich! Man kann einem Diabetiker einfach nicht NICHT sagen, dass er Diabetiker ist. Gerade dieser offene Umgang mit Krankheiten hat mir sehr gut gefallen und so war ich fast zwei Jahre auf der Diabetes Station.

Nach Beendigung des Turnus war ich noch kurz im Pflegeheim und habe dort den ersten Stationshelfer-Kurs mit aufgebaut, ein Skriptum für Somatologie mit Schwerpunkt Diabetes ausgearbeitet – damit auch Stationsgehilfen ein Basis-Wissen darüber haben.

Und dann kam der Anruf von Professor Irsigler, er hätte mich gerne für die Diabetes-Ambulanz. Über zehn Jahre war ich in den Betrieb der Diabetes-Ambulanz eingebunden. Für mich war das Mitgehen und Begleiten von Patienten immer sehr wichtig und gerade in diesem Bereich konnte ich einige meiner Ideen umsetzen. Ich konnte durch meine Arbeit auf der Ambulanz viele Patienten über Jahre hinweg begleiten und so auch verschiedenste Verläufe von Diabetes kennen lernen.

Dr. PusarnigNach den zehn Jahren in Lainz suchte ich eine neue Aufgabe und die Wiener Gebietskrankenkasse für ihr Ambulatorium am Wienerberg gerade eine Ärztin für die Diabetesambulanz. Am Wienerberg habe ich eine sehr kleine Ambulanz vorgefunden – ein einziger, kleiner Raum aber drei sehr engagierte Schwestern, zwei davon Diabetesberater, die ganz alleine eine hervorragende Typ2-Schulung hochgezogen hatten. In dieser Schulung wurde etwas gemacht, was ich bis dahin noch nie gesehen hatte: schon im Anfänger-Typ2-Kurs wurde jedem Patienten ein Pen mit einer Testflüssigkeit in die Hand gedrückt und jeder hat im ersten Kurs bereits einmal „gespritzt“. Das zu einem Zeitpunkt wo noch lange keine Rede ist von Insulin spritzen, zu einem Zeitpunkt wo man über Lebensstiländerung, dem Kennenlernen von Diabetes spricht. Die Patienten gingen weg und hatten die Angst vor dem Spritzen verloren was für eine spätere Behandlung von enormer Wichtigkeit sein kann.

Als ich nach meiner dreijährigen Tätigkeit am Wienerberg wegging hatten wir dreimal so viele Patienten und viermal so viele Quadratmeter und gemeinsam mit meinem Schwesterteam schöne Erfolge erzielt. Es war eine sehr, sehr schöne Zeit.

Und was war dann der Grund, sich selbständig zu machen?

Ich habe seit meinem Medizinstudium davon geträumt mich als praktische Ärztin selbständig zu machen. Aber einerseits gibt es lange Wartelisten für die Übernahme von Praxen und zum anderen hatte ich großen Respekt - na ja fast schon Panik vor Buchhaltung, Administration und was halt so automatisch damit verbunden ist. Aber jetzt hilft mir dabei eine liebe und erfahrene Freundin und mit meiner fröhlichen, kompetenten und warmherzigen Sprechstundenhilfe sind wir ein gutes Team und gemeinsam trauen wir uns so einiges zu.

Ist es nicht ungewöhnlich, hier, so weit ab vom Schuss, eine Praxis zu eröffnen? Ist hier das Einzugsgebiet so groß?

Ich wohne in Hietzing und es ist mir wichtig auch da zu bleiben. Ich habe eine Ordination übernommen mit sehr lieben Patienten und gerade hier im Süden Wiens tut sich sehr viel im Diabetesbereich. Sie finden hier viele Fachärzte und immer wieder entstehen neue Zentren. Auf der anderen Seite gibt es viele, viele Diabetiker und meine Patienten kommen aus ganz Wien, dem Burgenland und der Steiermark. Die Ordination in der Ketzergasse ist leicht zu finden, gut von der Autobahn aus und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Sie betonen praktische Ärztin zu sein. Trotzdem wird diese Praxis doch wohl einen diabetischen Schwerpunkt haben.

Es ist mir schon sehr wichtig, diesen Schwerpunkt hierher mitzunehmen und zu etablieren. Es ist erschreckend, wie viele Typ 2-Diabetiker völlig ungeschult und unbetreut herumlaufen. Wie wir es schon in den Ambulanzen auch gesehen haben. Hier ist man eine Stufe näher am Patienten, hat laufend Kontakt und sieht manchen, der über Jahre einen HbA1c über neun hatte. Da ist es aber auch schwer, solch einem Patienten zu sagen, warum die Welt plötzlich eine andere sein soll, warum er plötzlich Schulungen machen soll, wo doch bis jetzt „nichts zu spüren“ war. Wir haben bereits  im Frühling 2003 begonnen mit Messgeräteschulungen in der Gruppe. und bieten regelmäßig Typ2-Gruppenschulungen an. Es gibt extra Termine für Diabetiker. Und da ja die Krankenkasse längere Gespräche, Protokollbesprechungen oder Pen-, Messgeräte-Schulungen usw. beim praktischen Arzt in keiner Weise honoriert, biete ich das alles bis hin zur Einstellung auf Insulinpumpe als Privatleistung an.

Kann man das festmachen, worin wird sich das von einer normalen praktischen Ordination unterscheiden?

Der Unterschied liegt dort wo ich meine langjährige Erfahrung im Diabetesbereich patientenorientiert verstärkt einbringen kann. Es geht doch darum, die Menschen ernst zu nehmen, sie in einer offenen Atmosphäre willkommen zu heißen und auf ihrem Weg zu begleiten. Das heißt zuhören, informieren und mein Know-How welche Probleme mit welchen Methoden/Medikamenten am besten in Griff zu bekommen sind, einzubringen.

Für mich ganz wichtig ist, dass das nur patientenorientiert Sinn macht. Jeder Diabetiker findet seinen Weg mit dem Diabetes umzugehen, hat seinen eigenen Rhythmus, seine Art den Körper zu spüren und wahrzunehmen. Diabetes heißt auf sich selber aufpassen, sich selber beachten lernen.

Einen „g’standenen“ Typ1-Diabetiker, der bereits intensivierte Therapie fährt, wird interessieren welche Erfahrungen ich mit einem neuen Insulin gemacht habe, wurde es schon bei anderen Patienten angewandt, mit welchem Ergebnis. Der braucht vielleicht auch eine Beratung ob eine Pumpe Sinn macht und wenn ja, welche. Der Diabetiker, der ganz am Anfang steht wird wahrscheinlich erstmal von der Diagnose erschlagen sein, vielleicht unter Schock stehen „bei mir funktioniert was nicht“. Beide haben das Recht darauf mit ihren Sorgen, Fragen und Problemen ernst genommen zu werden und eine Beratung, oder besser ein Coaching zu erhalten das ihren Bedürfnissen gerecht wird.

Da liegt auch ein merklicher Unterschied zu den großen Ambulanzen, wo ja schon von den Hausärzten vorselektierte Leute hingeschickt werden. Man ist als Hausarzt einfach näher dran am täglichen Leben des Patienten.

Es ist nicht unwichtig ob jemand eine kranke Schwiegermutter im Haus als Pflegefall betreut und mehrmals pro Tag in den ersten Stock laufen muss. Diabetes reagiert auf individuelle Lebensumstände. Oder nehmen wir nur jenen Diabetiker der einen Bauernhof in der Tschechei hat und dort Wachteln und Perlhühner züchtet und der immer fürchterlich müde war wenn er in der Früh in den Stall ging. Er hatte einen sehr hohen Nüchternzucker aber die Motivation ein abendliches Insulin zu akzeptieren fand er im Wunsch besser mit seinen Hendln arbeiten zu können. Motivation für einen besseren Umgang mit dem eigenen Diabetes kann ganz unglaubliche Wege gehen. Das Wissen um die Lebensumstände des Patienten, Vorlieben, Hobbies ist oft ausschlaggebend dafür mit dem Patienten bessere Lösungen zu finden. Aber davor steht das Vertrauen des Patienten sich über solche „Gschichtln“ reden zu trauen. Dazu gehört auch, dass man Lebensabläufe kennen lernt.

Sie sind der Meinung, dass gerade bei Langzeiterkrankungen Arzt und Patient miteinander zusammenarbeiten, und der Arzt nicht mehr von oben herab sagt Du hast jetzt diese oder jene Therapie zu machen?

Ich glaub nicht daran, dass das jemals funktioniert hat und ganz speziell nicht bei Diabetes. Es ist hier ja nicht damit getan zu sagen „jetzt nimmst zwei Tabletten am Morgen und eine am Abend“. Um mit Diabetes gut leben zu können müssen die meisten der Diabetes-Patienten ihr Alltagsverhalten ändern. Der Patient muss bereit dazu sein und er muss wissen warum er das tun soll und das geht nicht über Befehl von oben herab. Wir sprechen über einen bewussten Umgang mit der Ernährung und greifen da tief ein auf einen basalen, oralen Mechanismus. Was auch psychologisch eine tiefe Bedeutung hat. Das kann man nicht per Befehl ändern oder mit einem Satz wie: „.. ab sofort essen Sie nie wieder ...“ abtun. Es ist in der Diabetesberatung schon längst nicht mehr en vogue etwas zu verbieten, wohl aber arbeiten wir daran den bewussten Umgang mit dem Diabetes weiterzugeben.

Sie gehen auch auf so Feinheiten wie zum Beispiel den Ramadan ein?

Natürlich. Wenn man sich einen Menschen anschaut, gehört auch eine religiöse, gesellschaftliche Dimension zu jedem Leben dazu. Das ist mir in Lainz zum erstenmal aufgefallen: die entgleisten Diabetiker nach dem Abschlussfest vom Ramadan. Beziehungsweise die, die sich gar nicht trauen das Fasten mitzumachen. Natürlich gibt es auch im Islam Entscheidungen von hochrangigen Geistlichen, dass ein Diabetiker das Fasten nicht halten muss. Das gibt es  vernünftigerweise in allen großen Religionen. Nur ist es gesellschaftlich fast nicht machbar. Wenn jemand auf der Baustelle nur mit Moslems beisammen ist, und sich die Familie zu Hause um 16 Uhr beim Essen trifft, kann man sich dem nicht entziehen. Darüber muss man mit dem Patienten reden. Ich habe mir von meinen Patienten erklären lassen, dass sich der Ramadan jedes Jahr um zehn Tage verschiebt ist. Genauso kenne ich die wichtigsten jüdischen Festtage und Feiern. Man muss wissen, wie in Polen Weihnachten gefeiert wird, was die traditionellen Essen sind. Das gleiche gilt natürlich für zugewanderte Leute aus dem asiatischen Raum, die sich völlig anders ernähren. Ein Frühstück aus gekochtem Reis und Gemüse hat einen völlig anderen glykämischen Index als ein Müsli. Ich bin jetzt kein wandelndes Lexikon aber ich weiß, dass diese Fragen wichtig sind und nebenbei ist das wirklich interessant und die Patienten erzählen gerne und manch eine Kostprobe hab ich schon sehr genossen.

Ich versuche, gemeinsam mit den Patienten Therapie-Formen zu finden, die sich von Beginn weg dem Patienten anpassen lassen und nicht umgekehrt und die an das individuelle Bewegungs- und Essenverhalten gekoppelt sind. Ich habe sehr viele Patienten, die gute Erfahrungen mit kurz wirksamen Tabletten oder kurz wirksamen Insulin zu jeder Mahlzeit gemacht haben. Die müssen nicht drauf achten, rechtzeitig Mittagessen zu gehen. In vielen Jobs ist es einfach unmöglich täglich zu einer bestimmten Zeit essen zu gehen und die meisten meiner Pensionisten tun das auch nicht. Die Diabetes-Therapie lässt sich dem Leben anpassen und man muss nichts von der eigenen Flexibilität verlieren.

Mein Ziel ist es, dass niemand bei mir rausgeht ohne zu wissen wie er mit Sondersituationen zurechtkommt. Ein typisches Wiener Beispiel dazu ist das Begräbnis am Zentralfriedhof wo Hypo-Prophylaxe aufgrund der langen Wege besonders wichtig ist. Meine Patienten wissen, dass sie vor solchen Anlässen vorher anrufen und mir davon erzählen wie und wann es stattfindet. Oft ist es auch wichtig mit den Kindern oder dem Partner zu reden. Wenn jemand stirbt sind Trauer und Entsetzen groß und es ist gut wenn ein Partner oder die Kinder bescheid wissen wie sie den Diabetes der Mutter über diese Tage managen können.

Oder wie gehe ich mit Zeitverschiebung um, wenn ich viel auf Geschäftsreisen bin? Wie verhalte ich mich bei Geschäftsessen, die fett sind und Alkohol dazu gehört? Wie kann ich mein Leben so leben wie ich will und trotzdem einen HbA1c unter sieben haben?

Sie haben gesagt, wichtig ist ein Hba1c unter sieben?

Mir ist wichtig, mit jedem Diabetiker auszumachen, was sein persönliches Ziel ist. Das kann für die 85-jährige Dame im Altersheim ein Hba1c sein, wo das einzige Ziel ist: ich will meinen Zucker nicht spüren. Er soll nicht so hoch sein, dass ich müde davon werde und er soll Gott bewahre mich nicht dazu kriegen, mit einem Hypo auszurutschen und mir den Oberschenkelhals zu brechen. Da reden wir von einem Hba1c von 8,5, denn ich bin davon überzeugt, einen Hba1c von neun spürt man. Damit geht es einem einfach nicht mehr gut.

Das andere Extrem ist der 28-jährige in der Insulinresistenz, der voll im Berufsleben steht, der vielleicht übergewichtig ist, der eine riesige Chance hat, die Resistenz runterzukriegen, wenn er auf den glykämischen Index aufpasst, wenn er sich bewegt. Und da ist natürlich eine normoglykämische, oder fast normoglykämische Einstellung das eindeutige Ziel. Das ist völlig verschieden von Patient zu Patient. Das muss man sich individuell ausmachen und wir fixieren das miteinander. Das hängt von den Erkrankungen, vom Alter und vom Alltag ab.

Zur Entwicklung der neuen Therapien, wir haben jetzt die Glitazone und das neue Lantus. Gleichzeitig funktionieren die Transplantationen halbwegs, Inselzellentransplantationen in die Leber. Gibt es Hoffnung, dass das eine Standardtherapie werden könnte?

Glitazone greifen an der Insulinresistenz an, sind das Medikament für den beginnenden Typ2. Ich gebe sie sehr oft, manchmal fast als einziges Medikament beim Typ2, kombiniert mit ein bisserl Metformin, um dem Gesetz genüge zu tun, weil sie nur in Kombination zugelassen sind

Lantus und Levemir sindschöne und stabile Basisinsuline. Vor allem für die Patienten, die starke individuelle Schwankungen unter NPH-Insulin haben. Wo man wirklich vermutet, dass das Basisinsulin unterschiedlich stark wirkt von Tag zu Tag, was mit der besten Basis/Bolus-Therapie fast nicht hinzukriegen ist. Pumpe wäre natürlich die andere Lösung. Es ist erstaunlich, um wie viel weniger Langzeitinsulin man unter Lantus oder Levemir braucht. Ich stelle auch ambulant auf Lantus oder LEvemir um. Voraussetzung ist, dass jemand NIS oder FIT perfekt kann, und mir auch Aufzeichnungen bringt. Mit dem Messgerät, weil da schau ich in den Speicher! Ehrliche Werte sind die Einstiegsbedingung.

Und dann machen wir das unter Telefonkontakt tasten uns dann miteinander an die Dosis ran.

Wir danken für das Gespräch.

 
Zum Diabetes-Shop
Zu meinem Diabetes-Shop